Hinter den Kulissen der Floorwear-Kreation: Designerin Katharina Tannous spricht über ihre Teppichentwürfe für kymo

Katharina Tannous (*26.12.1986) hat eine Ausbildung zur staatlich geprüften Designerin für Schmuck und Gerät an der Goldschmiedeschule Pforzheim absolviert und Applied Art and Design an der Fachhochschule Düsseldorf studiert. Seit Dezember 2015 ist sie im Bereich Design & Development für das deutsche Floorwear-Label kymo tätig – und entwirft Schmuckstücke aus Wolle, Viskose und Seide statt aus Silber oder Gold.

Lassen sich Ihre Erfahrungen aus dem Schmuckdesign auf das Gestalten von Teppichen übertragen?

Natürlich hat die intensive Auseinandersetzung mit Schmuck großen Einfluss auf mich gehabt. Das Spannende für mich ist nun, diesen Einfluss in einen neuen Bereich zu übersetzen und damit zu spielen. Der Teppich OBSIDIAN zum Beispiel ist von Steinschliffen, Steinoberflächen und Facetten inspiriert. Aber auch andere Strukturen und Oberflächen finden sich in weiteren meiner Designs wieder. Der HYBRID EFFECT, der unter anderem im Rahmen der THE FINEST Kollektion auf der imm cologne 2019 in Köln vorgestellt wird, ist von einem Metallgewebe inspiriert und spielt mit den Möglichkeiten der Metallverarbeitung. Oft entsteht eine Spannung dadurch, dass die Ursprungsidee aus einem ganz anderen Bereich stammt. Und nun auf ein Textil übertragen wird, das in seiner Haptik und Optik natürlich völlig anders wirkt.

Was reizt Sie besonders am Designen von Teppichen?

Es ist der neue Kontext, der mich reizt. Textilien und Teppiche waren für mich etwas gänzlich Neues. Eine wunderbare Möglichkeit, neue Gebiete zu entdecken und Neues dazuzulernen. Ein Teppich ist natürlich auch so etwas wie ein Schmuckstück. Er schmückt den Raum und es gelingt ihm, im besten Fall, den Raum zu erweitern und eine besondere Atmosphäre zu schaffen.

Und was gefällt Ihnen an der Zusammenarbeit mit kymo am besten?

Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt bei kymo. Viel habe ich – und kann ich noch – von Eva Langhans, Creative Director bei kymo, lernen! Auch die unkomplizierte und dynamische Zusammenarbeit mit dem Team hat es mir einfach gemacht, mich sofort wohlzufühlen.

Beginnt jeder Ihrer Floorwear-Entwürfe für kymo mit einer Idee in einem Skizzenbuch? Oder erarbeiten Sie die Gestaltungsideen gleich am Computer?

Das ist von Design zu Design ganz unterschiedlich. Manchmal fängt es in der Natur an, manchmal auch im Urlaub oder auf dem Arbeitsweg. Ein anderes Mal ergibt sich eine Idee aus Faltungen, die zufällig entstanden sind. Die ersten Skizzen entstehen per Hand oder direkt am Computer – das ist reine Gefühlssache. Ich empfinde eine ausgewogene Kombination aus digital und analog als am sinnvollsten für meine Arbeit. Manchmal muss man einfach wieder auf die analogen Arbeitsweisen zurückgreifen, um weiterzukommen. Der Computer ist ein sinnvolles Instrument und Werkzeug, aber die Hände und das Handwerk haben für mich mindestens denselben Stellenwert. Wenn sie nicht sogar noch mehr können. Sie sind schließlich die Ausdrucksform der Kreativen und Schaffenden.

Wie verwandelt sich Ihr Entwurf in einen dreidimensionalen Teppich?

Ich bin sehr dankbar für all die schaffenden Hände in unserer Produktion und habe großen Respekt und eine große Faszination für dieses alte Handwerk. Meine Entwürfe könnten ohne dieses Handwerk nicht zu einem dreidimensionalen Teppich werden. Das ist immer ein Zusammenspiel zwischen Entwurf und Ausführung. Die ersten Muster werden überarbeitet, kommentiert und immer wieder verbessert, bis wir das richtige Material und die passende Produktionsart gefunden haben, die das Design richtig zum Ausdruck bringen. Es kann auch passieren, dass ein bestimmtes Muster oder eine bestimmte Produktionsart Ausgangspunkt des Designprozesses ist. Dann ist der Prozess etwas verdreht, da man explizit mit den Strukturen und Texturen arbeitet – und diese auf Designs anwendet.

Haben Sie Lieblingsmaterialien bei den Teppichen – oder Materialkombinationen, die Ihnen persönlich besonders gut gefallen?

Ich bin ein großer Fan von Matt-Glanz-Effekten. Dafür braucht man zwei unterschiedliche Komponenten: die wunderbare, matte Neuseelandwolle zum Beispiel, die mit ihrem ganz leichten Glanz einen tollen Übergang zur glänzenden Viskose/Tencel oder zur wertvollen Seide bildet. Ich glaube, Wolle ist ein Material, das viele wunderbare Eigenschaften mit sich bringt. Aber die Wolle ist in ihrer Erscheinung so unaufdringlich, dass ich mich nicht daran satt sehen kann.

Viele der kymo Teppiche wurden von Musik inspiriert. Gilt das auch für Ihre eigenen Floorwear-Entwürfe?

Stimmt, bei kymo sind viele Entwürfe von Musik inspiriert und auch mein erster Entwurf, CROSSFADER, zog seine Inspiration aus Schallwellen. Man kann sagen, dass insbesondere dem Rhythmus eine wichtige Rolle bei der Übersetzung von Musik ins Design zukommt – und so ist er auch in meiner Gestaltung immer wieder zu finden.

Inwieweit dienen die Geschichte der Teppichherstellung und historische Vorbilder als Inspirationsquellen?

Die Kollektion MINIMAL MAROQUE ist eine Neuinterpretation der traditionellen Berberteppiche. Hier habe ich mit sehr grafischen Elementen gearbeitet und auch klassische Elemente aus dem traditionellen Bereich gewählt. Der Spagat aus diesen beiden Formen macht den Reiz einer Neuinterpretation ja aus. Passend dazu erinnern die gewählten Farben an Wüstenlandschaften. Eine solche Geschichte vervollständigt natürlich die Gestaltung und gibt ihr mehr Tiefe. Daher finde ich, dass ein Ausgangspunkt – sei es eine eigene Geschichte oder ein Zugriff auf die Tradition – sehr wichtig ist. Er ist die Grundlage für spannendes Produktdesign.

Pressematerial (25 MB)

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