TNS-Emnid-Studie: Die erste eigene Wohnung

  • 36 Prozent der Deutschen sind bereits vor dem 21. Lebensjahr in eine eigene Wohnung gezogen
  • Die Frauen (40%) werden eher „flügge” als die Männer (32%)
  • 67 Prozent der 14- bis 29-Jährigen leben noch im Hotel Mama

Bochum, 12.04.2018. Nach Schule, Studium oder Ausbildung lockt die große Freiheit: Raus aus dem Hotel Mama und endlich in die erste eigene Wohnung einziehen. Kaum jemand vergisst dieses Gefühl. Auf eigenen Beinen stehen, erste Einrichtungsversuche aus einem Mix von Kinderzimmer-Möbeln und Omas alten Sesseln. Selbst bestimmen, wann aufgestanden wird, was auf den Tisch kommt und wie oft Aufräumen wirklich notwendig ist. Aber auch verantwortlich sein für Stromrechnungen, Telefongebühren und regelmäßige Mietzahlungen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Umzug ins eigene Reich? Gleich nach der Volljährigkeit zum Studium oder doch erst, wenn das erste selbstverdiente Geld fließt?

Hier gehen die Meinungen, Wünsche und Vorstellungen auseinander. Ein gutes Drittel der Deutschen (36%) waren 20 Jahre oder jünger, als sie die erste eigene Wohnung bezogen. Ebenfalls 35 Prozent verließen zwischen 21 bis 25 Jahre das Elternhaus und 13 Prozent hatten die 26 bereits überschritten. Das ergab eine repräsentative Verbraucherumfrage von Vonovia, einem der führenden deutschen Wohnungsunternehmen. Für die TNS-Emnid-Studie wurden im Zeitraum vom 1. bis 7. März 2018 über 1.000 Personen aus allen Alters- und Berufsgruppen sowie verschiedenen Regionen des Landes befragt.

Vor zehn Jahren wurde früher ausgezogen

Dabei zeigten sich interessante Entwicklungen in der Altersstruktur: Gab z. B. noch die Hälfte der 30- bis 39-Jährigen an, bereits vor dem 21. Lebensjahr ihre neue Freiheit in der eigenen Bude ausgekostet zu haben, sind es aktuell in der Altersgruppe bis 29 Jahre nur noch 22 Prozent. 67 Prozent der jungen Leute leben derzeit noch bei ihren Eltern. Was sicherlich ein Indiz dafür ist, dass gestiegene Lebenshaltungskosten dazu führen, den Umzug in die eigene Wohnung vorerst noch einmal zu überdenken. Bei den älteren Semestern sieht es durch die Bank anders aus: 41 Prozent der 40- bis 49-Jährigen sowie 39 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und 35 Prozent der Generation 60+ waren bereits mit 20 Jahren selbstständig und auch schon Mieter.

Allerdings ist auch zu beobachten, dass der Anteil derjenigen, die beim Bezug der ersten Wohnung mindestens 26 Jahre alt waren, bei den älteren Menschen deutlich höher ausfällt: Knapp ein Viertel der heute Über-60-Jährigen ist also ebenfalls erst später zuhause ausgezogen. Der Anteil nimmt dann aber linear mit der Altersgruppe ab: Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es noch 16 Prozent, bei den 40ern 14 Prozent und in der Gruppe 30 bis 40 Jahre nur noch vier Prozent.

Frauen zieht es eher in die Selbstständigkeit

Außerdem unerwartet: Die jungen Frauen liegen beim Thema Umzug in die eigenen vier Wände vor den Männern. 40 Prozent der Frauen verließen bis zum 20. Lebensjahr das Elternhaus, 36 Prozent im Alter von 21 bis 25 Jahren und 11 Prozent später. Bei den gleichaltrigen Männern wagten nur 32 Prozent unter 20 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. 15 Prozent starteten erst ab dem Alter von 26 Jahren in die Selbstständigkeit und 19 Prozent leben immer noch bei den Eltern. Bei den Frauen beträgt indes der Anteil der Nesthocker nur 12 Prozent.

In Ostdeutschland steht die eigene Bude hoch im Kurs

Große Schwankungen hinsichtlich des Alters für den Umzug in eine eigene Wohnung gibt es auch innerhalb der Bundesländer. So hält es in Sachsen-Anhalt die jungen Leute am wenigsten am Rockzipfel der Eltern. 63 Prozent ziehen bereits vor dem 21. Lebensjahr aus. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist der Freiheitsdrang groß: 54 Prozent der jungen Leute stellen sich früh auf eigene Füße. Das gilt auch für Nordrhein-Westfalen: 51 Prozent Teenager sind bis spätestens zum 20. Geburtstag ausgezogen.

Ganz anders sieht es in Bremen (7%) und Hamburg (17%) aus: Die Hansestädte rangieren auf den letzten Plätzen der jungen Erwachsenen mit eigener Wohnung. Erst ab 21 Jahren scheinen die Citys interessanter zu werden: 69 Prozent der 21- bis 25-Jährigen suchen sich in Bremen und 59 Prozent in Hamburg eine neue Bleibe. Mehr Anziehungskraft auf ganz junge Leute hat Berlin: Hier lebt immerhin bereits ein knappes Drittel (30%) der Schulabgänger in den eigenen vier Wänden. Allerdings sind die Twens bis 25 Jahre mit 50 Prozent auch stark vertreten. Am häuslichsten zeigten sich bei der Befragung die Hessen: 32 Prozent der Befragten leben dort noch bei den Eltern.

Kids aus einkommensstarken Haushalten können sich eine eigene Wohnung leisten

Größere Unterschiede ergab die Emnid-Untersuchung auch bezüglich des Einkommens: Würde man denken, dass in den ärmeren Haushalten der Nachwuchs noch länger im Elternhaus bleibt, da kaum mit finanzieller Unterstützung zu rechnen ist, täuscht dieser Eindruck. 64 Prozent der Befragten aus der Gruppe der Niedrigverdiener standen spätestens mit 25 Jahren auf eigenen Füßen.

Noch deutlicher ist diese Tendenz bei den einkommensstärksten Schichten ab 3.500 Euro netto pro Monat: 79 Prozent der Jugendlichen konnten sich bereits früh eine eigene Wohnung leisten. Was sicherlich auch daran liegt, dass sich die Umzügler auf Hilfe verlassen können, da in dieser Einkommensklasse das finanzielle Polster sehr stark ist. Am sesshaftesten indes sind die Kids aus Familien mit mittlerem Einkommen von 2.000 bis 2.500 Euro netto: 29 Prozent leben noch bei den Eltern bzw. haben nie eine eigene Wohnung bezogen. Nur 22 Prozent hatten bereits vor dem 21. Lebensjahr ein eigenes Heim.

Ganz ähnliche Ergebnisse liefert die Analyse nach der Schulbildung: In der Gruppe der Menschen mit Volks- oder Hauptschule sind 72 Prozent spätestens mit 25 Jahren ausgezogen, 17 Prozent waren 26 Jahre oder älter und neun Prozent wohnen noch zuhause. Bei Abiturienten oder Befragten mit Universitätsabschluss standen indes 84 Prozent bis zum 25. Lebensjahr auf eigenen Füßen und nur fünf Prozent zogen das Elternhaus vor. Eine Ausnahme bildet auch hier die Klientel mit mittleren Bildungsabschlüssen: 66 Prozent weilten mit 25 Jahren bereits in den eigenen vier Wänden, 13 Prozent zogen erst später aus, aber ein beachtlicher Anteil von 21 Prozent lebt immer noch im Hotel Mama und hatte noch keine eigene Wohnung.

Pressematerial (7 MB)

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